Synchronisation in Film und TV

Synchronisation ist ein ewiges Streitthema im deutschsprachigem Raum. Leider haben die Cineasten und Filmfreunde hier das Pech, das das Kunstwerk Film mit einer neuen, deutschen Tonspur versehen wird, die leider oftmals nicht sehr viel mit dem Original gemeinsam hat. Diese Vorgehensweise wurde erstmals mit aufkommen der ersten Tonfilme Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts eingeführt. Damals versuchte man es zunächst mit Untertiteln, diese stießen bei der deutschen Bevölkerung aber leider nicht auf Begeisterung. Deshalb hat man sich kurzerhand dazu entschlossen die Filme mit einer synchronisierten Tonspur zu versehen, eine Praktik an die sich die Deutschen schnell gewöhnt haben und die leider bis heute überlebt hat.

Da es aber nun seit Ende der Neunziger vermehrt DVDs mit englischen Tonspuren zu kaufen gibt und immer mehr Filmfreunde aufs Original schwören, stellt sich die Frage inwieweit es Sinn macht die fragwürdige Tradition des Synchronisierens fortzuführen. Die digitale Unterschriftenaktion gegen-synchro.de führt eine Reihe von Argumenten auf, die gegen die Synchronisation sprechen.

Der offensichtlich am meisten betroffene Faktor ist die Übersetzung. Oftmals hat man das Gefühl das dort Anfänger am Werk sind, die von den jeweiligen Sprachen und Kulturen des Originalfilms nicht sehr viel verstehen. Da wird dann aus einem „You got served!“ schon mal ein albernes „Street-Style!“ (Meet the Spartans). Viel schlimmer betroffen sind vor allem Comedy-Serien, die oft allein vom Wortwitz leben. Dank der Unübersetzbarkeit vieler solcher Dialoge, sind diverse Serien im deutschen Fernsehen kläglich gescheitert, zuletzt z.B. die amerikanische Serie My Name Is Earl oder auch die überaus britische Action/Adventure/Comedy/Sci-Fi Serie Doctor Who.

Was bei der Synchronisation zwangsweise immer verloren geht, sind Dialekte und Akzente. Oftmals spielen aber grade diese eine sehr große Rolle in der Handlung des Films, somit geht dann oft der Sinn verloren. Audrey Hepburn’s Paraderolle in My Fair Lady handelt zum Beispiel davon, wie sie als armes Cockney-Mädchen von einem Sprachforscher als Wettobjekt benutzt wird, der aus ihr eine Lady machen will – natürlich geht es dabei nicht nur um Aussehen und Kleidung, sondern hauptsächlich um Sprache und Dialekt.

Ein ebenfalls sehr wichtiger Bestandteil einer schauspielerischen Leistung wird der Stimme zugeschrieben. Allein durch eine Stimme können Dinge vermittelt werden und Atmosphären kreiert werden, die ganz spezifische Bedeutungen für den Film haben können. Zudem hat jeder Mensch seine eigene, ganz persönliche Stimme, die mit ihm eine Einheit bilden. In der Synchronisation wird das alles – feinste Nuancen und Einzigartigkeit – lieblos plattgewalzt. Man hat das Gefühl jede Stimme schon zigtausend mal gehört zu haben, zudem könnte man Anhand der Stimme nie einen Schauspieler erkennen, da die bei uns ja alle gleich klingen. Ein trauriger Fakt der deutschen Filmlandschaft.

Leider ist der Großteil der Deutschen aber so sehr auf diesen Gleisen festgefahren, das es wenig Hoffnung für die Fans des O-Tons gibt. Möchte man mit einem Durchschnittsdeutschen einen Film im Originalton schauen, so wird der schlagartig behaupten „Aber da versteh ich doch gar nichts!“ oder „Untertitel empfinde ich als sehr ablenkend!“. Beides ist schlicht eine Sache der Gewohnheit. Fängt man erstmal an Filme nur noch auf Englisch zu schauen, wird man schnell merken wie der Wortschatz sich innerhalb von kürzester Zeit verdoppelt und es wird dann auch nicht mehr lange dauern bis man die Untertitel nicht mehr benötigt. Diese sind alles andere als störend – nach 10 Minuten hat man sich auch ans lesen gewöhnt und versteht den fremdsprachigen Film problemlos. Kein Wunder das Menschen aus Ländern in denen nicht synchronisiert wird wesentlich besseres Englisch sprechen als die Deutschen. Englisch ist zwar die am meisten vertretene Sprache in der Filmszene, einige der heutzutage qualitativ besten Filme kommen aber aus ganz anderen Ländern, deren Sprache man ohne Untertitel natürlich nur in den seltensten Fällen versteht.

gegen-synchro.de bietet einen kleinen Hoffnungsschimmer für Filmfreunde. Obwohl es sehr unwahrscheinlich ist das die Synchronisation in Deutschland in naher Zukunft abgeschafft wird, kann man das Projekt dennoch durch eine Unterschrift unterstützen und seine Meinung kundgeben. Vielleicht wird damit zumindest erreicht das die Fernsehsender ihre Programme wieder im Zweikanalton aussenden, was vielen Cineasten schon einen große Freude bereiten würde.