Online TV – der nächste Goldrausch?

Die Landesanstalt für Medien NRW hatte am 21. Mai zu einer besonderen Veranstaltung geladen: Unter dem Motto „The show must go online“ fand in der Staatskanzlei im Düsseldorfer Stadttor eine ganztägige Konferenz mit internationalen, hochkarätigen Experten statt.

Die Teilnehmer der Veranstaltung – Programmdirektoren, Produzenten, Vermarkter, Hard- und Software-Hersteller sowie Internet-Pioniere – beschäftigte besonders eine ungelöste Frage: Wie soll man auf die veränderte Mediennutzung (Weg vom klassischen TV hin zum Internet) der jungen Zielgruppe reagieren und wie sieht die Vermarktungs- bzw Verwertungskette der Zukunft aus – Sprich: Wie kann man mit Online-TV Geld verdienen, obwohl fast kein Internet-User bereit ist, für Online-Angebote zusätzlich zu zahlen.

Einigkeit bestand bei allen Teilnehmern lediglich darüber, dass das bisherige System (Sender kaufen Produktionen ein um viele Zuschauer anzulocken, Mediaagenturen vermarkten die Platzierungen & Unternehmen buchen TV-Werbung um diese Zuschauer zu erreichen) ein Auslaufmodell ist. Ansonsten traten die unterschiedlichen Standpunkte der verschiedenen Marktteilnehmer sehr offen zu Tage. Die verschiedenen Redner stellen im Laufe des Tages ihre Geschäftmodelle und einge sehr interessante Cases vor:

  • Andrew Susmann, Gründer & CEO von Studio One Networks aus New York, präsentierte das Vertriebsmodell „Syndication“ des „Internet Content Syndication Council“.
  • Raghav Gupta, Vice President von Brightcove, zeigte Content Strategien für das „Neue Fernsehen“ auf und präsentierte Beispiele aus den Bereichen Sender, Verlage, Start-Ups und User Generated Content.
  • Dr. Christian Illek, Bereichsvorstand Marketing T-Home, sprach u.a. über die technologischen Herausforderungen von IPTV.
  • Christian Zabel, Medienexperte aus Köln, zeigte State-of-the-Art-Beispiele von speziell für das Medium Internet produzierten TV-Inhalten.
  • Yousef Hammoudah, Programmdirektor von Hobnox, präsentierte sein Social Network für Musiker, Künstler und urbane Kultur, das gerade mit dem Online Grimme Award ausgezeichnet wurde.
  • Robert Krause, GF von This gun is for hire, hielt einen Vortrag über Product Placement und gebrandete Internet-Specials.
  • In der abschließenden Diskussionsrunde trafen Robert Amlung (ZDF), Dr. Illek (T-Home), Dominik Schmid (Zattoo), Jörg Grabosch (Brainpool), Peter Figge (Tribal DDB) und Georg Ramme (MME Moviment) aufeinander.

Vor dem Hintergrund der aktuelle Entwicklung rund um die zukünftigen
Internet-Aktivitäten der öffentlich rechtlichen Sender erhielt der Schlagabtausch zwischen Robert Amlung vom ZDF und Jörg Grabosch von Brainpool bei dieser Diskussionsrunde eine besondere Brisanz.

Am Ende signalisierten alle Teilnehmer ihre Bereichschaft, mit den anderen Marktteilnehmer zu kooperieren und gemeinsam nach zukunftsfähigen Lösungen zu suchen. Dennoch wurde ganz deutlich, dass sich gerade die Produzenten und Vermarkter große finanzielle Vorteile von der weiteren Entwicklung des Online-TV versprechen. Und obwohl keines der präsentierten Geschäftsmodelle so richtig überzeugen konnte, war so etwas wie Aufbruch- oder Goldfieberstimmung spürbar.