ADC Wettbewerb 2009: Der Kampf mit sich selbst und der Krise

Als Aussenstehender den ADC Wettbewerb kritisch zu betrachten war noch nie eine große Kunst. Aber dass der Art Directors Club für Deutschland (ADC) e.V. anlässlich des „Gipfels der Kreativität 2009“ von prominenten Mitgliedern wie Jean Remy von Matt oder Jan Weiler medienwirksam und grundlegend kritisiert wird, hat schon eine besondere Qualität. Von Matt sieht den „Club der Innovationen“ verheddert in den „Wirren der digitalen Revolution“, der noch nicht verstanden hat, dass die bisherige Art der Werbung nicht mehr funktionieren wird. Denn herkömmliche Werbung funktioniert nach dem Prinzip „Ich will, dass Du guckst“, während der moderne Konsument sagt „Ich schaue, was ich will“. Jean Remy von Matt wirft dem ADC vor, keine Lösungen für die aktuellen Anforderungen zu haben und bezeichnet das Festival als „Scheinwirklichkeit“.

Und für den Buchautor Weiler, der auch als Referent auf dem ADC-Kongress aufgetrat, ist die deutsche „Werbung einfach nicht gut genug“. Mein persönlicher Eindruck von der Wettbewerbs-Ausstellung im ehemaligen Kino Kosmos auf der Berliner Karl-Marx-Allee (sic!) war, dass sehr viele der ausgestellten und prämierten Arbeiten relativ wenig mit dem zu tun haben, was sich der ADC selbst auf die Fahnen geschrieben hat: Nämlich „Impulsgeber für die Kommunikationsbranche und Gradmesser für außergewöhnliche und herausragende Kommunikationslösungen“ zu sein.

Vielleicht liegt es auch an dem Anspruch, das absolut Beste zu produzieren und zu bewerten, an dem der Club scheitert. Denn kommerzielle Kreativität findet mittlerweile verstärkt ohne Agenturen und Werber statt. Und mit inzwischen 46 Kategorien ist der Wettbewerb genauso unübersichtlich wie die Medienlandschaft, so dass eine Orientierung schwer fällt.

Als einen Ausweg aus der kreativen Krise empfiehlt Jean Remy von Matt im übrigen mehr Humor in der Werbung. Das klingt fast so, als ob Franz Beckenbauer von der DFB-Auswahl mehr Tempo und Ballbehandlung a la Spanien oder Brazilien verlangen würde. Ich bin jedenfalls gespannt auf die ADC Ausstellung des Jahres 2010 und freue mich schon jetzt auf jede Menge unterhaltsame Werbung.